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Das November-Vorwort: Wirklich gut gemeint, aber doch übermotiviert?

Liebe Leserinnen und Leser,

heute Morgen musste ich an die Tankstelle, um weiterhin mit dem Kfz mobil zu bleiben. Dabei fielen mir wieder einmal die Schilder ins Auge: E5 und E10. Mit diesen Bezeichnungen wird klargestellt, wie viel Bioethanol maximal dem Kraftstoff beigemischt wird.

Nun mag man das ja für durchaus umweltfreundlich halten, denn die Beimengung soll ja den Verbrauch fossiler Brennstoffe reduzieren. Soweit klingt das auch alles zunächst einmal sehr ökologisch. Doch sollte man den Ener­giemix, und das betrifft nicht nur die Kraftstoffe für unsere Fahrzeuge, durchaus auch einmal hinterleuchten. 

Bleiben wir beim Kraftstoff: Bioethanol enthält fast ein Drittel weniger Energie als Benzin. Ausgeglichen wird das für den Verbraucher über den Preis, denn der Verbrauch ist bei E10, je nachdem, welche Studie man zugrunde legen möchte, zumeist etwas höher als beim normalen Kraftstoff.

Das mag alles hinnehmbar sein. Was mich umtreibt, ist der Gedanke, dass für die Produktion von Bioethanol leider nicht nur Abfälle, wie es der wirklich gut gemeinte ehrenvolle Gedanke war, in Frage kommen, sondern landwirtschaftliche Flächen gebraucht werden, die doch eigentlich für die Produktion von Nahrungsmitteln erforderlich sind. Vor dem Hintergrund des immer noch vorhandenen Hungers in der Welt empfinde ich das als manchmal fragwürdig.

Nicht dass Sie mich falsch verstehen: Der Verbrauch fossiler Kraftstoffe muss reduziert werden. Doch manchmal denke ich, ob wir unsere Schritte hin zu einer besseren Umweltbilanz nicht noch einmal überdenken sollten. Nehmen Sie das E-Auto. Es ist sicher eine prima Sache, wenn man elektrisch fahren kann; ich bin selber ein ausgemachter Fan von E-Fahrzeugen, seit ich mir mal einen Hybriden ausleihen musste. Doch vor dem Hintergrund der Umweltschäden beim Abbau des so wichtigen ­Lithiums muss ich mir eigentlich die gleiche Frage stellen wie beim Abbau des Erdöls, egal ob in der Wüste oder im Meer.

Bisheriges Fazit: Bei allem Bemühen um eine bessere Umweltbilanz sind die bisher unternommenen Versuche zum Einsatz von Ersatzstoffen mit neuen oder anderen Nachteilen für die Umwelt verbunden.

Dabei sind wir doch in den letzten Monaten durchaus auch mit etwas weniger Verkehr und Energieverbrauch ausgekommen. Es wird weniger geflogen, man bleibt eher einmal im Land und der Verkauf von Fahrrädern erfuhr einen ungeahnten Boom.

Die Pandemie, die uns aktuell wieder fester in den Würgegriff nimmt, trägt also dazu bei, dass wir nachhaltiger leben. Und nein, das ist natürlich nicht von der Natur so gesteuert, ebenso wenig wie von Bill Gates oder irgendeinem Deep-State-Konsortium.

Die Einschränkungen, denen wir gerade unterliegen, sind der Verantwortung für unsere Mitmenschen geschuldet; der gleichen Verantwortung übrigens, die uns schon das Grundgesetz auferlegt. Jedenfalls haben diese Einschränkungen dazu geführt – ich schrieb es bereits im Mai schon einmal – dass die Luft klarer geworden ist und dass die Natur sich etwas von uns erholen konnte, obwohl wir Menschen ja in Zeiten von Kontaktbeschränkungen in Wiesen und Wälder gelaufen sind, um den eigenen vier Wänden wenigstens stundenweise zu entfliehen – was im Übrigen ganz gut nachvollziehbar ist.

Um aber an dieser Stelle einmal den Bogen zur Einleitung zu schlagen: Die Wissenschaft und Technik sind längst weiter als das, was aktuell genutzt wird. So könnten fossile Kraftwerke weniger arbeiten, wenn die überschüssige Energie aus Solar- und Windkraftwerken gespeichert würde, z. B. in sog. Pumpspeicherwerken, wie sie bereits an einigen Orten, auch in Deutschland in beispielsweise Herdecke, stehen. Genauso ließe sich die Energie nutzen, um Wasserstoff zu erzeugen, mit dem wiederum der Individualverkehr  deutlich umweltfreundlicher gestaltet werden könnte. Beispiele dieser Art gibt es genug, nur an der konsequenten Umsetzung mangelt es nach wie vor.

Jetzt könnte man anführen, dass dies unglaublich viele Steuergelder verschlingen würde. Aber warum eigentlich? Ist es nicht wie bei jedem anderen Unternehmen? Es werden die entsprechenden Auflagen gemacht und die Unternehmen haben sie umzusetzen; mit oder ohne staatliche Hilfe.

Vielleicht ist das der Punkt, an dem umgedacht werden muss. Nicht den sog. »kleinen Mann« zu gängeln, sondern sich auch einmal an die großen Dinge herantrauen. Das wäre, so könnte ich es mir vorstellen, auch im Sinne von »Fridays for Future«: der Mensch, der sich in das Ökosystem unseres Planeten integriert.

Was denken Sie? Sind die heutigen Lösungen ausreichend? Oder können wir noch viel besser werden? Gern können Sie mir Ihre Meinung dazu schreiben. Nutzen Sie einfach unsere Website unter www.bevenser-nachrichten.de/leserbriefe.html. Ich freue mich über jede sachliche, gern auch andere Meinung.

Bevor ich Sie nun in unser Magazin entlasse, gestatten Sie mir noch den Hinweis auf »Weihnachten im Schuhkarton«. Machen Sie doch bitte einem Kind, welches noch nie ein Geschenk erhalten hat, eine kleine Freude.

Und jetzt wünscht unser Team Ihnen einen stimmungsvollen November. Suchen Sie sich die schönsten Momente heraus und genießen Sie diese.

Ihr

Jürgen Schliekau, Herausgeber

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