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Das März-Vorwort: Digital oder lieber analog?

Liebe Leserinnen und Leser,
Schriftsteller haben es nicht leicht, vor allem, wenn sie vorwiegend online publizieren. So folge ich z. B. einem Satiriker, der die fatale Neigung hat, den Finger immer wieder in die Wunden der Gesellschaft zu legen. Das wäre an sich nichts Besonderes, denn Satire sollte in erster Linie genau das tun.
Ich erinnere mich immer gern meines ersten recht umfangreichen Satirebandes. Er trug den Titel »Kein Öl, Moses?« und enthielt viele kleine mehr oder weniger fröhliche Geschichten des weltbekannten Autors Ephraim Kishon. Ausdrucksstarke und trotzdem schriftstellerisch feinst gezeichnete humorige Darstellungen des Alltags in Israel, des Lebens in der Familie mit der besten Ehefrau von allen und dem rothaarigen Sohn Amir, der stets auf Widerstand gepolt war – ein sympathischer Knabe aus meiner Sicht, denn in gewisser Weise erinnerte er mich an jemanden aus meiner Kinderzeit.
Auch Kishon hatte es nicht immer einfach mit seinen Mitmenschen, denn wer lässt sich schon gern an seinen eigenen Fehlern vorführen. In seinem Fall jedoch erschöpfte sich der Protest gegen seine Schriftstellerei auf Leserbriefe oder auch redaktionelle Kritiken in den Zeitungen Israels, denn das Internet gab es damals noch nicht.
Ganz anders bei dem von mir aktuell von Fall zu Fall ganz gern gelesenen Satiriker, der im Zivilberuf im Gesundheitswesen tätig ist und der es sich ebenfalls nicht nehmen lässt, gewisse Verhaltensweisen und Denkstrukturen aufs Korn zu nehmen. Dabei ist er – ganz im Gegensatz zu etlichen anderen – oft gänzlich unpolitisch. Anders als etwa Kishon in seinem Buch »Der Blaumilchkanal« lässt er das Behördendurcheinander und die Kompetenzzuschiebungen zumeist aus und konzentriert sich auf die kleinen Nickligkeiten des Alltags.
Bisher war es oft so, dass vorwiegend auf politische Anmerkungen oder kleine kabarettistische Sticheleien die Helden der Tastatur loslegten und ihre eingeschränkte Weltsicht der Menschheit ohne jede Scham darlegten. Mittlerweile aber trifft es verstärkt auch solche online arbeitenden unpolitischen Satiriker.
Dieses ständige Genörgel macht irgendwann müde und dazu passt ein Artikel, den ich gerade heute im Briefing der NZZ gefunden habe: die aktive Nutzung, also das Einstellen eigener Inhalte in soziale Netzwerke, ist rückläufig. Die ursprüngliche Euphorie, die sich mit ihnen verband – die Erwartung von mehr Demokratie, mehr Teilhabe, mehr Vernetzung – scheint einem noch unbestimmten, aber stärker werdenden kritischen Gefühl gewichen zu sein, sind es doch häufig nicht Menschen, sondern Algorithmen, die darüber bestimmen, was wir zu sehen bekommen.
Gleichwohl sind die sozialen Medien nach wie vor in Nutzung von Abermilliarden Menschen, die allerdings immer weniger vom eigentlichen Versprechen – der Kommunikation untereinander – profitieren, sondern sich vorwiegend konfrontiert sehen mit Werbebotschaften, Bot-Schrott und jenen gratismutigen Helden, die – so stelle ich sie mir manchmal vor – schwitzend und Pizza mampfend mit hochrotem Kopf ihre für die ganze Menschheit gültige Erkenntnis in die Tasten hämmern. In meinem letzten Vorwort hatte ich ja über die soziale Steinigung als Ausfluss dieser Möglichkeiten geschrieben und nach der Reife der Menschen zur Nutzung gefragt.
Es verändert sich jedenfalls gerade etwas weg vom digitalen hin in den analogen Bereich. Das ist gar nicht mal so ganz schlecht, denn auch ich bevorzuge ja die direkte Kommunikation, obwohl man Social Media nicht den Nutzen absprechen kann.
Gerade die kleinen Gruppen, in denen man sich auch persönlich gut kennt, kommen dem ursprünglichen Sinn dieser Medien noch am nächsten. Und doch ist es noch wieder ganz anders und vielleicht viel anheimelnder, sich persönlich zu sehen. Es ist also auch an uns, die richtige Mischung aus analog und digital zu finden. Damit es nicht zur Sucht und zum anschließenden Kater kommt, weil die Algorithmen einen nicht losgelassen haben.
Dazu braucht es Reflexion der Nutzung, denn das unkritische Konsumieren dieser Medien schadet nicht zuletzt unserer Entwicklung u. a. bei den sozialen Kompetenzen. Bei Büchern und Zeitungen entscheiden wir selbst, wann wir sie nutzen. Hier gibt es keinen Algorithmus, der uns fast schon zwingt, weiterzublättern. Außer wenn wir lesesüchtig sind . . . das aber ist vermutlich nicht verkehrt.
Jetzt wünsche ich Ihnen viel Spaß beim Lesen. Freuen Sie sich auf ein spannendes und natürlich analoges Magazin!
Ihr
Jürgen Schliekau, Herausgeber
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